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Die Batterie von Bagdad

Der damalige Direktor der Irakischen Antikenverwaltung Dr. Wilhelm König ließ 1936 südöstlich von Bagdad Ausgrabungen durchführen. Dabei wurde ein eigenartiges Gefäß aus Ton gefunden, über das seitdem gerätselt wird, ob es sich um eine frühe Batterie handelt.

Diese sogenannte 'Batterie von Bagdad' ist eine ca. 14 cm hohe Tonflasche, worin sich ein Zylinder aus Kupferblech und ein Stab aus Eisen befinden. Ursprünglich war die Flasche anscheinend mit Asphalt vergossen und mit einer sauren Flüssigkeit gefüllt. Das Fundstück wird etwa auf 200 v. Chr. datiert. Es wurden auch weitere, ähnliche Objekte gefunden.

1978 wurden in Hildesheim, im dortigen Roemer-Pelizaeus-Museum, an einer Replik Experimente durchgeführt, die den Schluss nahe legen, dass es sich bei dem Fundstück aus Mesopotamien tatsächlich um eine frühe galvanische Zelle gehandelt haben könnte. Mit Traubensaft oder verdünntem Essig als Elektrolyt gefüllt könnte eine solche Zelle eine Spannung von 0,8 Volt erzeugen. Dabei würde sich am Minuspol aus Eisen Rost bilden und am Pluspol aus oxidiertem Kupfer metallisches Kupfer:

Batterie von Bagdad

Es scheint verblüffend, dass die Menschheit bereits 2.000 Jahre vor der Erfindung der Voltaischen Säule Batterien benutzt hätte, doch ganz so unwahrscheinlich ist es nicht. Schließlich handelt es sich dabei 'nur' um eine Verfeinerung der bekannten 'Zitronenbatterie', die leicht zufällig entdeckt worden sein kann.

Der Verwendungszweck und die Entstehungsgeschichte der Batterie liegt noch völlig im Dunkeln. Es gibt Theorien über zeremonielle oder rituelle Verwendungen, zur Entkeimung von Trinkwasser oder als Energiequelle zur galvanischen Vergoldung von Schmuck. Und natürlich füllen auch Spekulanten und Verschwörungstheoretiker das vorhandene Wissensvakuum mit Annahmen beispielsweise elektrischer Tempelbeleuchtungsanlagen oder der Herkunft durch die üblichen Außerirdischen.

Den kulturgeschichtlichen Wert zu beurteilen ist schwierig. Richtig ist, dass die Menschheit offenbar schon vor der Voltaischen Säule Batterien entwickelt hatte, weswegen manchmal eine entsprechende Korrektur der Lehrbücher gefordert wird. Aber ganz offensichtlich hatte man damals das wahre Potenzial der Erfindung nicht erkannt, oder die kulturellen Rahmenbedingungen ließen eine Verwertung bzw. Verbreitung des Wissens nicht zu, sodass die Batterie wieder in Vergessenheit geriet. Als Vorfahre unserer heutigen Batterien gilt daher doch zurecht Voltas Säule aus dem Jahre 1800.



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